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Publikacja nr
360
rok szkolny
2003/2004

 
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Zu einigen Fragen der Textlinguistik

W artykule przedstawione s± lingwistyczne definicje tekstu, jego funkcje i rodzaje. Tekst stanowi bowiem podstawow± rolê w procesie nauczania i uczenia siê jêzyka obcego. Artyku³ w jêzyku niemieckim.

Die Texte sind in der Fremdsprachendidaktik ein Mittel zur Erreichung des glottodidaktischen Ziels. Deswegen soll den Texten im Fremdschprachenerwerbsprozeß Hauptaufgabe zugegeben werden. Die Texte "ermöglichen eine Form der menschlichen Kommunikation, die Weitergabe von Informationen, Intentionen und Wissen über räumliche und zeitliche Begrenzungen hinweg..." (KARCHER 1988:130). Texte können uns als Unterhaltung, Werbeanzeige, Gedicht, Erzählung, Brief, Bericht begegnen. Sie können uns informieren, beeinflussen, zu etwas veranlassen, unterhalten, unser ästhetisches Empfinden ansprechen, unsere Emotionen in Wallung bringen oder uns langweilen. Sie können der Kontaktaufnahme oder dem Kontakterhalt dienen.
Es wird hier unter "Text" eine zusammenhängende mündliche oder schriftliche, monologische oder dialogische Äußerung verstanden, die mehr als einen Satz umfaßt. "Zusammenhängend" heißt dabei, daß ein Text keine Aneinanderreihung beliebiger Einzelsätze ist, sondern eine Struktur besitzt, die ihn zu einem sinnvollen Ganzen macht. Texte "können in direkter Kommunikation, also in persönlichem Kontakt der Gesprächspartner entstehen oder für die indirekte, also durch ein Medium vermittelte Kommunikation produziert werden" (SOLMECKE 1997:9).

Die Hauptaufgabe des Fremdsprachenunterrichts besteht darin, daß der Lerner dazu befähigt ist, Texte zu verstehen und sie selbst zu erzeugen. Wenn dem aber so ist, dann kommt den Texten eine zentralle Rolle im Fremdsprachenunterricht zu. Ein guter Text kann bei der Erlernung einer Fremdsprache helfen. Ein Text, der im Lehrwerk untergebracht wird, erfüllt nicht nur eine Funktion, sondern viele Funktionen. Er kann u.a. der Einführung oder der Festigung von Grammatik, der Erweiterung des Wortschatzes, der Übermittlung von landeskundlichen Informationen dienen.

Auf dem polnischen Markt sind in der letzten Zeit zahlreiche Lehrwerke erschienen, die nach der kommunikativen Unterrichtsmethode gestaltet worden sind. Diese Lehrwerke sind sowohl von deutschen als auch polnischen Verlagen herausgegeben worden. Ihr Hauptziel besteht darin, den Schülern das Fremdsprachenlernen zu ermöglichen bzw. zu erleichtern und einem Leser/Hörer durch einen Text etwas Neues, Interessantes, Wissenswertes mitzuteilen. Die polnischen Schüler haben die Möglichkeit, mit vielen Lehrwerken zu arbeiten. Der Lehrer hat also wichtige Aufgabe, Rücksicht auf die Bedürfnisse der Schüler zu nehmen und möglichst das beste, geeignete Lehrwerk für den Deutschunterricht zu wählen. Ob das Lehrwerk interessant für die Schüler ist, hängt u.a. davon ab, welche Texte es enthält. Die Textsorten sind in jedem Lehrwerk anders. Manche Autoren bringen in Lehrwerken mehr Dialoge, andere mehr monologische Texte unter.

LINGUISTISCHE TEXTDEFINITIONEN
Bei der Beschreibung von didaktischen Texten stellt sich die Hauptfrage nach Eigenschaften, die die Texte besitzen sollen, um auf optimale Weise glottodidaktische Funktion zu erfüllen. Um auf diese Frage nach den didaktischen Texteigenschaften zu antworten, soll zuerst der Begriff des "Textes" definiert werden. Ich möchte zuerst kurz besprechen, was in der Alltagssprache unter einem "Text" verstanden wird, bevor ich auf den linguistischen Textbegriff eingehe. Im "Wörterbuch der deutschen Gegenwartssprache" (KLAPPENBACH/STEINITZ 1980:3724) ist folgende Definition des Textes angegeben:

TEXT - 1. (schriftlich) fixierte, themtisch zusammenhängende Folge von Aussagen:
a) ein langer, gedruckter Text, einen Text verlesen, vortragen, auswendig lernen (...), die Wortlaut des Textes, fremdschprachige Texte übersetzen,
b) Wortlaut, den vollen Text einer Rede vorlesen,
c) Teil oder Ganzes einer literarischen Arbeit: ein wissenschaftlicher Text, Zeitungstext (...),
2. zu einem musikalischen Werk gehören - der sprachliche Teil, der Text eines Liedes, einer Oper (...),
3. sprachliche Erläuterung, Unterschrift zu einer Abbildung: Begleittext (...).

Die alltagssprachliche Bedeutung des Wortes "Text" ist nicht einhaltlich. Daraus folgt, daß "Text" eine (schriftlich) fixierte sprachliche Einheit ist, die in der Regel mehr als einen Satz umfaßt (vgl. BRINKER 1985:12). In der Alltagssprache wird eine Satzfolge nur dann als Text bezeichnet, wenn sie in inhaltlich-thematischer Hinsicht als zusammenhängend, als kohärent interpretiert werden kann.

Im Unterschied zur alltagssprachlichen Verwendung bezeichnet der Terminus "Text" in der Linguistik nicht nur schriftliche sprachliche Gebilde, sondern auch mündliche Äußerungen. Die linguistische Textanalyse beschäftigt sich besonders mit den Monologen. Dialoge werden im Rahmen einer neuen linguistischen Teildisziplin, der sog. Gesprächsanalyse untersucht.

WAWRZYNIAK (1980:42) versteht unter "Text" "einen linearen und endlichen, identitätsintentionalen sprachlichen Bestandteil des jeweiligen Kommunikationsereignisses, der durch die illokutive Integration, die semantisch-thematischen Isotopien und die syntaktischen Konnexionen zu einer kohärenten Folge von Sätzen geworden ist".

Es werden zwei Hauptrichtungen der Textlinguistik unterschieden, die unterschiedliche Zielsetzungen entwickelt haben und die ihren Untersuchunsgegenstand "Text" deshalb unterschiedlich definieren. Die erste Richtung der Textlinguistik entwickelt sich vor dem Hintergrund der strukturalistischen Linguistik und der generativen Transformationsgrammatik. Die strukturalistische Linguistik konzentriert sich auf die Analyse und Deskription der Struktur des Satzes, vor allem auf die Segmentierung und Klassifikation sprachlicher Einheiten unterhalb der Satzebene (Morpheme, Phoneme). Die generative Transformationsgrammatik definiert ihren Gegenstand, die Sprachkompetenz, als die Fähigkeit des kompetenten Sprechers einer Sprache eine Anzahl von Sätzen zu bilden und zu verstehen. Sie nimmt die Form eines Regelsystems an, das die Menge von Sätzen einer Sprache "generieren" soll.

Die zweite (Anfang 70er Jahre) entstandene Richtung der Textlinguistik wird als "kommunikationsorientierte Textlinguistik" genannt (vgl. BRINKER 1985:14). Der Text wird als Komplexe mündliche oder schriftliche Sprachäußerung betrachtet. Texte sind immer in eine Kommunikationssituation eingebettet. Aus pragmatischer (sprechakttheoretischer) Perspektive erscheint der Text nicht mehr als grammatisch verknüpfte Satzfolge, sondern sprachliche Handlung (vgl. SCHMIDT 1973:150). Die kommunikationsorientierte Textlinguistik untersucht die kommunikativen Funktionen der Texte. Die kommunikative Funktion legt den Handlungscharakter eines Textes fest. Sie bezeichnet die Art des kommunikativen Kontakts. Sprachliche Texte sind Einheiten in Handlungskontexten, d.h.mit sprachlichen Äußerungen ist menschliches Verhalten verbunden. Die kognitive Linguistik geht davon aus, daß menschliches Verhalten modular zu erklären ist. Die Wissensysteme, sogenannte Module existieren im menschlichen Gehirn. Die Besonderheit dieser Module ist ihre Autonomie, die darin besteht, daß bestimmte Module geschlossene Ganzheiten bilden. Die Textproduktion und das Textverstehen verlaufen als Interaktion folgender Module:
1) der Modul der Grammatik (des Sprachwissens),
2) die illokutive Handlung,
3) der Modul der globalen Textstrukturen,
4) der Modul des enzyklopedischen Wissens.

Die Grammatik einer Sprache bestimmt die Eigenschaften zwischen Sätzen. Mit dem Begriff "illokutive Handlung" ist ein Modul verbunden, der die Kenntnisse über mögliche elementare sprachliche Handlungen umfaßt. Dieser Modul hat zwei wichtige Funktionen:
- er bestimmt den kommunikativen Sinn sprachlicher Äußerungen,
- er determiniert die Bausteine von komplexen Handlungsstrukturen.

Zu den Komponenten einer illokutiven Handlung zählen wir:
die Bedingungen, die erwartbare Konsequenz (das Ziel), die soziale Situation. Ein Sprecher stellt sich ein bestimmtes Ziel, für das er positiv motiviert ist. Er ist davon überzeugt, daß das Ziel durch eine geeignete Äußerung erreichbar ist. Er berücksichtigt bestimmte Bedingungen und Konsequenzen bei der Planung einer geeigneten Äußerung. Einen Text analysieren heißt, den Handlungsplan des Sprechers zu rekonstruieren.

Die hierarchische Struktur von illokutiven Handlungen ist ein wesentliches Prinzip der Textstruktur. Es beruht darauf, daß eine illokutive Handlung durch andere subordinierte illokutive Handlungen gestützt wird. Illokutionsstrukturen weisen Texte auf, die von einem Sprecher/Schreiber gebildet werden, d.h. sog. monologische Texte oder Gesprächsschritte eines Sprechers in einem Gespräch. Die Gespräche werden als Texte verstanden. Kurz gesagt, Illokutionsstrukturen stellen eine wesentliche Komponente der Textstruktur dar, aber sie reichen nicht aus, um alle Gesichtspunkte des Handlungscharakters der Texte beschreiben zu können. Die Klassifizierung von Kommunikationsabsichten bezieht sich auf die Ziele sprachlich-kommunikativer Handlungen, also auf die Ziele, die mit Texten angestrebt werden. Nach MOTSCH (1986:278) werden drei Klassen von Zielen unterschieden: Informieren, Aktivieren, Klären.

Die Vertreter der Modultheorie (u.a. MOTSCH und VIEHWEGER) nehmen an, daß der Text ein Resultat als auch ein Mittel der Sprachtätigkeit ist. Die Sprachtätigkeit des Textes widerspiegelt sich in seiner illokutiven Struktur.

BRINKER definiert (1985:17) den Text, wie folgt: ,,Der Terminus ,,Text" bezeichnet eine begrenzte Folge von sprachlichen Zeichen, die in sich kohärent ist und die als Ganzes eine erkennbare kommunikative Funktion signalisiert". Unter einer kohärenten Folge von sprachlichen Zeichen wird hier die auf der grammatischen und thematischen Ebene verbundene Textstruktur verstanden. Die grammatische Textkohärenz bezieht sich auf die für den Textzusammenhang relevanten syntaktisch-semantischen Beziehungen. Im Fall der thematischen Kohärenz geht es um den im Text zwischen den Sätzen hergestellten kognitiven Zusammenhang. Die Bestimmung ,,begrenzte Folge von Zeichen" verweist auf die Textbegrenzungssignale. Es werden hierunter bestimmte sprachliche und auch nicht-sprachliche Mittel gemeint, z.B. Buchtitel, Überschriften, bestimmte Einleitungs- und Schlußformel, Buchstabengröße bei Überschriften, Sprechpausen (bei mündlichen Texten). Wie aus der oben zitierten Definition hervorgeht, muß der Text auch der Voraussetzung der kommunikativen Funktion entsprechen. Die angeführte Konzeption von Brinker ist für meine weiteren Erwägungen von großer Bedeutung. Sie definiert präzise den Begriff des "Textes" und berücksichtigt die Tatsache, daß Texte immer in eine Kommunikationssituation eingebettet sind. Diese Konzeption betont den kommunikativen Aspekt des Textes.


REKLAMA

TEXTFUNKTIONEN

Ich halte für richtig, in erster Linie die Definition des Terminus ,,Textfunktion" anzuführen. BRINKER (1988:86) charakterisiert den Begriff wie folgt: ,,Der Terminus ,,Textfunktion" bezeichnet die im Text mit bestimmten, konventionell geltenden, d.h. in der Kommunikationsgemeinschaft verbindlich festgelegten Mitteln ausgedrückten Kommunikationsabsicht des Emittenten. Es handelt sich also um die Absicht des Emittenten, die der Rezipient erkennen soll, sozusagen um die Anweisung (Instruktion) des Emittenten an den Rezipienten, als was dieser den Text insgesamt auffassen soll, z.B. als informativen oder als appelativen Text" (BRINKER 1988:86). Die BRINKERS Textdefinition erfordert eine genauere Besprechung des Begriffs der Funktion. Der Text kann also mehr als nur die kommunikative Funktion signalisieren. Es gibt Texte, die sie durch informative (z.B. die Anleitung) oder appelative (z.B. Werbeanzeigen mit bestimmten sprachlichen Strukturen, z.B. Formen des Imperativs, Höflichkeitsformen usw.) Funktion auszeichnen. Dominant ist meistens die informative Textfunktion, die darin besteht, dem Hörer einen bestimmten Sachverhalt zu vermitteln. Das beste Beispiel für Texte, die diese Funktion insbesondere signalisieren, sind Nachrichten. Für einen Text können durchaus mehrere Funktionen charakteristisch sein. In der Regel wird der Kommunikationsmodus eines Textes durch eine Funktion bestimmt. Die Textfunktion bestimmt also die mit dem Text ausgedrückte Art des kommunikativen Kontakts. Für die Bestimmung der Textfunktion ist allein entscheidend, was der Emittent will zu erkennen geben, indem er sich auf bestimmte sprachliche und kommunikative Regeln bezieht. Der Rezipient soll die Intention des Emittenten herausfinden. Ob er das schafft, hängt davon ab, ob im Text dem Rezipienten irgendwelche Anhaltspunkte und zusätzliche Informationen über den Emittenten und über den Sachverhalt zur Verfügung gestellt werden.

Unter anderen Ansätzen gilt die Typologie J. Searls nicht nur als die bekannteste, sondern unter den gegenwärtig verfügbaren Klassifikationen auch als "die beste" (vgl. BRINKER 1988:100).
J. Searle unterscheidet fünf Illokutionsklassen:
- Repräsentative (z.B. Feststellung, Behauptung u.a.)
- Direktive (z.B. Anordnung, Befehl, Ratschlag u.a.)
- Kommissive (z.B. Versprechen, Drohung, Vertrag u.a.)
- Expressive (z.B. Glückwunsch, Entschuldigung, Gruß u.a.)
- Deklarative (z.B. Kriegserklärung, Trauung, Kündigung u.a.).

BRINKER schlägt auf Basis von Searles Typologie folgende Aufstellung textueller Grundfunktionen vor. Die BRINKERS Aufstellung beruht auf dem kommunikativ-funktionalen Aspekt der interpersonalen Beziehungen:
- Die Informationsfunktion
Der Emittent gibt dem Rezipienten zu verstehen, daß er ihn über etwas informieren will. In dieser Ausprägung ist die Informationsfunktion eine neutrale Sachdarstellung die folgenden Textsorten charakterisiert: Nachricht, Bericht, Beschreibung. Diese Textfunktion kann aber mit der ,,evaluativen" Einstellung verbunden werden. Dann gibt der Emittent dem Rezipienten seine positive, bzw. negative Bewertung des Sachvehaltens bekannt (ohne ihn jedoch beeinflussen zu wollen). Solch eine meinungsbetonte Darstellungsweise ist z.B. in den Textsorten Gutachten und Rezension der Fall.
- Die Apellfunktion
Der Emittent gibt dem Rezipienten zu verstehen, daß er ihn dazu bewegen will, eine bestimmte Einstellung einer Sache gegenüber einzunehmen (Meinungsbeeinflussung) oder eine bestimmte Handlung zu vollziehen (Verhaltensbeeinflussung).Textsorten mit appelativer Grundfunktion sind u.a. Rezension, Nachricht, Werbeanzeige, Propagandatext, Kommentar, Gebrauchsanweisung, Rezept, Predigt, Gesetzestext, Gesuch, Antrag, Bittschrift). Die appelative Textfunktion kann direkt durch explizit performative Formel mit den Verben: auffordern, anordnen, befehlen, bitten, raten, empfehlen, fragen, beanfragen, verlangen, usw. signalisiert werden. Solche expliziten Strukturen sind in Texten selten. Die häufigsten grammatischen Indikatoren der Appellfunktion sind:

  • der Imperativsatz,
  • die Infinitivkonstruktion,
  • der Interrogativsatz.

    Die Appellfunktion besagt, daß der Rezipient verpflichtet ist, den thematisierten Sachverhalt zu realisieren.
    - Die Obligationsfunktion
    Der Emittent gibt dem Rezipienten zu verstehen, daß er sich ihm gegenüber dazu verpflichtet, eine bestimmte Handlung zu vollziehen. Textsorten mit Obligationsfunktion sind: Vertrag, Gelöbnis, Gelübde.
    - Die Kontaktfunktion
    Der Emittent gibt dem Rezipienten zu verstehen, daß es ihm um die personale Beziehung zum Rezipienten geht (insbesondere um die Herstellung und Erhaltung des persönlichen Kontakts). Die Kontaktfunktion ist besonders für sog. Partizipationstexte charakteristisch, in denen der Emittent seine Anteilnahme mit dem Rezipienten zum Ausdruck bringt. Typische Partizipationstexte sind Gratulations - und Kondolenzbrief.
    - Die Deklarationsfunktion
    Der Emittent gibt dem Rezipienten zu verstehen, daß Texte eine neue Realität schaffen, daß die erfolgreiche Äußerung des Textes die Einführung eines bestimmten Faktums bedeutet. Zu den Textsorten mit deklarativer Grundfunktion gehören: Ernennungsurkunde, Testament, Bevollmächtigung, Bescheinigung, Schuldspruch. Die Deklarationsfunktion wird fast immer direkt (durch feste, explizite Formeln) ausgedrückt. Aus dieser Aufstellung textueller Grundfunktionen geht als Ergebnis die Brinkers Feststellung hervor, daß die Textstruktur, d.h. die Gestaltung des Textes in grammatischer und thematischer Hinsicht, durch die Textfunktion (zusammen mit gewissen situativen und medialen Gegebenheiten) regelhaft bestimmt wird (ebd. S.113). In diesem Zusammenhang muß allerdings darauf hingewiesen werden, daß in einem Text jeweils mehrere Textfunktionen vorkommen, die hierarchisch geordnet werden, und von denen jeweils nur eine dominiert. Gerade jede dominante Textfunktion prägt den Text am stärksten aus und ist für seine Zuordnung dem bestimmten Texttyp entscheidend.

    Ich möchte an dieser Stelle einen Nachdruck darauf legen, daß ein konkreter Text nicht nur eine Realisierung der linguistischen Einheit ,,Text" ist, sondern zugleich einen bestimmten Texttyp vertritt.

    LINGUISTISCHE TEXTSORTENKLASSIFIKATION

    Textsorten sollen zunächst ganz allgemein als komplexe Muster sprachlicher Kommunikation verstanden werden. Sie sind innerhalb der Sprachgemeinschaft im Laufe der gesellschaftlichen Entwicklung aufgrund kommunikativer Bedürfnisse entstanden. Der konkrete Text erscheint immer als Exemplar einer bestimmten Textsorte. Sowohl die Textproduktion als auch die Textrezeption werden im Rahmen von Textsorten untersucht.

    Die fundamentale Bedeutung von Textsorten für kommunikative Praxis wird in der großen Zahl der Textsortenbezeichnungen ausgedrückt. DIMTER (1981) hat im Rechtschreibduden mehr als 1600 Textsortennamen gezählt, von denen nur etwa 500 als "grundlegend" gelten können, z.B. die Bezeichnung "Bericht" angesehen, während "Reisebericht, Arbeitsbericht" usw. als Ableitungen gelten. Die Textsorten der Alltagssprache sind durch funktionale, thematische und situative Merkmale definiert.

    In den linguistischen Ansätzen zur Textsortentheorie werden zwei Hauptforschungsrichtungen unterschieden (vgl. BRINKER 1988:131):
    1) den sprachsystematisch ausgerichteten Forschungsansatz der aufgrund struktureller d.h. vor allem grammatischer Merkmale eine Beschreibung und Abgrenzung von Textsorten versucht;
    2) den kommunikationsorientierten Forschungsansatz, der von situativen und kommunikativ- funktionalen Aspekten aus die Textproblematik zu lösen beabsichtigt (vgl. ebd. S. 131).
    BRINKER spricht gleichbedeutend auch von Textsorten oder Textklassen. Bei BRINKER (1988:124) wird der Begriff ,,Textsorte" aus handlungstheoretischer Perspektive folgendermaßen definiert: ,,Textsorten sind konventionell geltende Muster für komplexe sprachliche Handlung und lassen sich jeweils typische Verbindungen von kontextuellen (situativen), kommunikativ-funktionallen und strukturellen (grammatischen und thematischen) Merkmalen beschreiben. Sie haben sich in der Sprachgemeinschaft historisch entwickelt und gehören zum Alltagswissen der Sprachteilhaber; sie besitzen zwar eine normierende Wirkung, erleichtern aber zugleich den kommunikativen Umgang, indem sie den Kommunizierenden mehr oder weniger feste Orientierungen für die Produktion und Rezeption von Texten geben". Während stark normierte Textsorten wie z.B. Wetterbericht, Kochrezept u.a. bis die sprachliche Gestaltung hinein erscheinen, gibt es bei anderen Textsorten wie Werbeanzeige, Zeitungskommentar, populärwissenschaftliche Möglichkeiten der Ausführung, vor allem in struktureller Hinsicht. Diese Textsorten erscheinen vielmehr in verschiedenen typischen Ausprägungen oder Varianten.

    Meiner Meinung nach ist es wichtig, die Kriterien der Differenzierung von Textsorten zu beschreiben und die relevanten Textsorten der Alltagssprache zu ermitteln. Für das Kriterium der Differenzierung habe ich, nach BRINKER, die Textfunktion angenommen. Dieses Kriterium ist für die Bestimmung der alltagssprachlichen Textklassifikation ausreichend. Nach dem Kriterium der Textfunktion unterscheidet BRINKER (1988:125) die fünf folgenden Textsorten:

  • Informationstexte - Nachricht, Bericht, Sachbuch, Rezension,
  • Apelltexte - Werbeanzeige, Kommentar,Gesetz, Antrag,
  • Obligationstexte - Vertrag, Garantieschein, Gelöbnis,
  • Kontakttexte - Danksagung, Kondolenzschreiben, Ansichtskarte,
  • Deklarationstexte -Testament, Ernennungsurkunde.
    Für die genaue Bestimmung der Textsorten ist aber auch die Kommunikationssituation von großer Bedeutung. Es geht hier vor allem um das Medium (Rundfunk, Fernsehen, Schrift), das zur Übermittlung von Texten verwendet wird. Die besonderen situativen Merkmale der einzelnen Medien begründen nämlich verschiedene Formen der Kommunikation, und zwar monologisch oder dialogisch, akustisch oder optisch, gesprochen oder geschrieben usw.

    Wichtig bei der Textsortenbestimmung ist auch der sogenannte Handlungsbereich. Darunter verstehe ich die Kommunikationssituationen und die Rollenverhältnisse zwischen den Kommunikationspartnern. Nicht zu übersehen sind bei der Bestimmung der Textsorte auch die strukturellen Kriterien, darunter vor allem die Art des Textthemas und die Form der thematischen Entfaltung. Bei der Arbeit an dem Textthema geht es um die temporale Anpassung des Themas zum Sprechzeitpunkt (z.B. Nachricht - vorzeitig, Protokoll - gleichzeitig) und um die Relationen zwischen dem Emittenten bzw. Rezipienten und dem Thema (z.B. Werbeanzeigen: Thema = Emittent, Stellanzeigen: Thema =Rezipient). Bei der Form der thematischen Entfaltung geht es um das Merkmal der deskriptiven (die informativen Textsorten: Nachricht und Bericht ), narrativen, explikativen (die informativen Textsorten ,,Lehrbuch" und "wissenschaftlicher Text") und argumentativen (die appelativen Textsorten ,,Kommentar" und ,,Werbe- bzw. Propagandatext") Themenentfaltung (vgl. BRINKER 1988:130f).

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    Alla Pawluczuk
    Zespó³ Szkó³ Rolniczych
    Centrum Kszta³cenia Praktycznego
    w Bia³ymstoku


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